Der Traum vom Circus
von Jochen Fleischmann

Neubeck, 2003. 144 Seiten.
ISBN 3935377088. € 12,90.

Jochen Fleischmann hat ihn wahr gemacht, den Traum vom eigenen Circus. Fleischmann hat es geschafft: Vom einfachen Arbeiter bei Siemens und einem Umweg über die Schauspielerei ist er heute erfolgreicher Direktor des Circus Charivari.

Angefangen hat alles in Nürnberg kurz nach der Wende. Circusfan Fleischmann unterstützt „Berolina“, den Staatscircus der DDR, nach Leibeskräften bei seiner Deutschlandtournee. Später wird er dort sogar Direktor. Bald wird „Berolina“ allerdings von der Treuhand verkauft und Fleischmann entmachtet. Einmal mit dem Circusvirus infiziert macht er sich sogleich daran einen eigenen Circus aufzubauen. Gemeinsam mit seiner Partnerin Griesing baut er Stück für Stück und unter größten Entbehrungen den Circus Charivari auf. Allerdings ist er von Anfang an auf Seriosität bedacht: Betteln kommt für ihn nicht in Frage.

Besonders interessant wird das Buch immer dann, wenn Fleischmann einen Blick hinter die Kulissen wirft. Lustige Anekdoten und gnadenlose Abrechnung mit dem Mythos vom romantischen Circusleben. Circus ist vor allem eins: harte Arbeit, entnervende Verhandlungen mit Behörden und der tägliche Kampf um jeden Zuschauer. Auch das Klischee „wenn Not am Mann ist, packe jeder mit an“ stimmt nicht unbedingt. Engagierte Artisten kümmerten sich meist nur um die eigenen Belange und lägen sonst den ganzen Tag faul im Wohnwagen. Trotz allem ist in jedem Satz Fleischmanns Liebe zum Circus zu spüren.

Besonders am Herzen liegt Jochen Fleischmann auch die artgerechte Haltung von Circustieren. Er selbst geht mit gutem Beispiel voran: die Elefantenhaltung des „Circus Charivari“ wurde selbst von Tierschützern gelobt. Vehement fordert er alle Circusunternehmen dazu auf, noch mehr für ihre vierbeinigen Stars zu tun. Gegen schwarze Schafe müsse gemeinsam vorgegangen werden, denn diese schaden mit ihrer schlechten Tierhaltung der gesamten Branche und sind letztlich daran schuld, wenn die Wildtierhaltung irgendwann komplett verboten wird.

Mit „Der Traum vom Circus“ ist Fleischmann ein zugleich interessantes, amüsantes und kämpferisches Buch gelungen. Interessant, weil es aus der Sicht eines Insiders geschrieben ist. Amüsant, wegen der herrlichen Anekdoten und Fleischmanns lakonischem Humor. Kämpferisch, weil es sich vehement für die artgerechte Haltung der Circustiere einsetzt. Ein Muss für jeden Circusfan!

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Fotos: von Charivari HP
www.circus-charivari.de