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Tiere in Zoo und
Circus
von Dr. Marthe Kiley-Worthington
Little
Eco-Farms Publishing, Pitsea 1990.
240 Seiten. ISBN 1872904025.
Das
Buch ist heute leider nur noch schwer zu
erhalten, Amazon-England bietet es für 12,50
Pfund an.
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Um 1990 erhielt
die britische Verhaltensforscherin Dr. Marthe
Kiley-Worthington, die eine Honorarprofessur an
der Landwirtschaftlichen Fakultät der
Universität Edingburgh inne hat, von der
britischen Tierschutzliga (RSPCA) und dem
Universitätsverband für Tierschutz (UFAW) den
Auftrag zu einer vergleichenden Studie über Zoo-
und Circustiere. In einem Zeitraum von 10 Monaten
wurde eine Querschnittuntersuchung nach
wissenschaftlichen Methoden erstellt, besucht
wurden 14 britische Circusuntemehmen aller
Größe, der Circus Knie, drei amerikanische
Zoos, vier britische Zoos und ein Safaripark.
Buchbesprechung von
Reiner Kissels
Drei wichtige
Leitfragen stehen im Vordergrund der
Untersuchung:
1.) Leiden Tiere im Circus und Zoo
psychisch?
2.) Sind Umgang und Training grausam?
3.) Ist der häufige Transport eine Ursache von
Streß?
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| Über 3.000
Beobachtungsstunden beim Training, bei der
Vorführung, beim Transport und im Winterquartier
wurden nach Tierart gesondert ausgewertet und zur
Beantwortung dieser Fragen herangezogen. Der
exakten Beobachtung entging kaum etwas, dem
Seibern der Kamele wurde ebenso Beachtung
geschenkt wie der Duftkontrolle der Löwen. Z. T.
wurde das Verhalten einzelner Tiere über 24
Stunden im 5-Minuten- Takt protokolliert, es
wurden so genannte Aktogramme erstellt, Pflege,
Haltung und Ernährung der Tiere wurden
festgehalten, ergänzende Gespräche mit dem
Circuspersonal wurden geführt und nicht zuletzt
eine Befragung von über 500 Menschen aus dem
Publikum, die den erzieherischen Wert des Circus
bestätigt. Neben diesen verhaltensbiologischen
Fragen wurden auch ethische Fragen angesprochen,
etwa die Frage, ob die Dressur die Würde der
Tiere verletze. Viele Argumente der
Tierschützer, die ja Ausgangspunkt der
Untersuchung waren, wurden sachlich widerlegt. |

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Lassen Sie mich
hier einmal die wichtigen Erkenntnisse des
Kiley-Worthington-Reports kurz zusammenfassen:
Das enge Zusammenleben von Mensch und Tier im
Circus ist wichtig und erhaltenswert, weil beide
Teile unter Beachtung bestimmter Regeln daraus
Gewinne ziehen, beide, Mensch und Tier, können
durch den Kontakt ihr Leben bereichern.
Einerseits wendet sich diese Erkenntnis gegen die
"fernbedienten Zootiere", wie sie etwa
bei Elefanten seit einiger Zeit aus Gründen der
Sicherheit, Verfügbarkeit und Austauschbarkeit
des Personals von bestimmten Zoodirektoren
gefordert werden. Andererseits setzt der im
Circus übliche enge Kontakt zwischen Mensch und
Tier auch einen bestimmten Umgang voraus, durch
Grausamkeiten ängstlich oder unberechenbar
gemachte Tiere würden einen solchen Kontakt
nicht erlauben. Drittens ermöglicht dieser enge
Kontakt auch ein Menge individueller
Lernmöglichkeiten und Anpassungen, die es wert
sind, zum Wohle des Tieres und zum besseren
Verständnis seiner Art nicht übersehen zu
werden. |
| Circus bedeutet
nicht von sich aus seinem Wesen nach
schädigender Stress und Leiden für Tiere, wie
bestimmte Tierschützer meinen. So nehmen z.B.
Circustiere den Transport zwar nicht mit
Anzeichen von Freude, sondern eher gelassen und
ohne Distress hin, wenn sie als Jungtiere daran
gewöhnt wurden. In Einzelfällen wurde Distress
allerdings unter schlechten Haltungsbedingungen
beobachtet. Zusätzliche Ausläufe für
Elefanten, Pferde und andere Huftiere und auch
für Raubtiere wurden gefordert, bzw. für
wichtig gehalten. Im Gegensatz zur Dressur, die
im Allgemeinen einen hohen professionellen
Standard aufwies, erwies sich der Umgang und die
Pflege durch das Stammpersonal, dessen Geschick
und Wissensstand zu wünschen übrig ließ, eher
als angemessen bis gut. Es wurde bemängelt, dass
fertig dressierte Tiere weniger Abwechslung haben
als Tiere in der Dressur. Ebenso ist die
Vorerfahrung der Tiere bedeutsamer als der
Unterschied Haustier / Wildtier. Die
Lebensbedingungen in den Winterquartieren
müssten eher verbessert werden als die
Bedingungen auf der Reise. Etwa 90 der Tiere
zeigten auf der Reise eine gute Kondition,
wohingegen 70 der Tiere im Winterquartier nicht
in Hochform waren. |

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Die Tierlehrer
arbeiteten in erster Linie mit Belohnungen und
positiven Verstärkern, in einigen Fällen wurden
negative Verstärker und Strafen eingesetzt, ein
leichter Schlag oder ein mündlicher Tadel, etwa
so, wie man sie bei der Erziehung seines Hundes
einsetzt. Auch wenn man in Rechnung stellt, dass
die Tierlehrer wussten, dass sie beobachtet
wurden, war bei den Tieren nur selten ein Zeichen
von Angst oder Distress zu beobachten. Das
Ergebnis der Publikumsbefragung war folgendes:
Von 550 Befragten gefiel 99,4 % die
Circus-Vorstellung, 57,3 % gefielen die
Tiernummern am besten, 16,6 % gefiel die Artistik
besser und 25,3 % gefiel beides. 60,2 % würden
keinen Circus ohne Tiere besuchen. 91,6 % würden
gerne mal bei einer Dressurprobe dabei sein, 93,6
% finden es gut, die Tiere nach der Vorstellung
besuchen zu können. Die beiden letzten Zahlen
sprechen für den hohen Bildungswert des Circus. |
Den
Tierschützern empfiehlt Dr. Kiley-Worthington,
nicht zum Boykott von Circussen aufzurufen,
sondern stattdessen jährlich einen Preis zu
stiften für die beste Tierhaltung und
artgerechte Dressur. Alles abwägend, sagt sie:
"Ich denke nicht, daß es im Interesse der
Tiere notwendig ist, unterstützt durch Geld und
Aktivitäten den Circus oder Zoo zu verurteilen
und zu boykottieren, weder lokal noch national.
Viel wichtiger ist es, damit fortzufahren, Zoos
und Circusse zu ermutigen, das Wohlergehen der
Tiere noch besser zu ermöglichen..."
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Fotos: Scans aus dem Buch.
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