Die andere Seite der Tierdressur 1. Einleitung Warum dressiert eine Tierpsychologin ihre Tiere, bringt ihnen Tricks bei und arbeitet mit ihnen an richtigen, kleinen Circusnummern? Und warum möchte eine Circuspädagogin unbedingt die Tierdressur im Kindercircus etablieren, wo doch bisher 99% aller Kinder- und Jugendcircusse hervorragend ohne Tiere ausgekommen sind und mit Jonglage, Akrobatik und Clownerie jungen Menschen ein ausreichend vielseitiges Angebot machen konnten? Die zweite Frage ist schnell beantwortet: Tiere tun Kindern gut. Lernen mit Tieren wird in unserer Zeit der zunehmenden Entfremdung von der Natur immer wichtiger. Vor allem aber wird durch die Arbeit mit dem Tier eine starke, tragfähige Beziehung zu diesem hergestellt. Junge Menschen, die mit Tieren arbeiten, lernen diese buchstäblich mit anderen Augen zu sehen, sie lernen sie wirklich kennen und man schützt nur, was man kennt. Auf die erste Frage werde ich gleich noch ausführlicher eingehen. Aber auch sie ist im Grunde schnell beantwortet: Arbeit tut Tieren gut. Lernen ist für freilebende Tiere überlebensnotwendig. Alles, was Mensch und Tier zum Überleben brauchen, tritt als Bedürfnis in Erscheinung, das Bedürfnis nach Nahrung, nach Sicherheit, nach Sexualität. Sich Herausforderungen zu stellen und zu lernen ist eines der wenigen Bedürfnisse, die wir bei unseren vierbeinigen Hausgenossen und anderen, nicht in der freien Natur lebenden Tieren oft übersehen. Tiere, die in menschlicher Obhut leben, brauchen als Ersatz für die Herausforderungen, die das Überleben in der Natur ihnen stellen würde, eine andere Form der geistigen Anregung, zum Beispiel durch ein gutes und einfühlsames Training. Das gilt für Omas Kater genau so, wie für den Elefanten oder die Giraffe im Zoo und erfreulicherweise setzt sich diese Erkenntnis in zoologischen Gärten zunehmend durch. Der Mensch, der diese Überzeugungen hat und gleich auch noch in die Tat umsetzt, bin ich, Elisabeth Beck, Tierpsychologin (Bachelor of Animal Psychology) und Circuspädagogin. Seit etwa sechs Jahren mache ich Circus mit Kindern und Jugendlichen, seit über zwei Jahren arbeite ich mit meinen vierbeinigen Mitbewohnern und seit einiger Zeit auch mit Mensch-Hundeteams auf dem Gebiet Tricktraining. Ich lebe mit meinem Mann, zwei Hunden und unserem Minschweinchen auf einem alten Bauernhof in Brandenburg. Vierbeiniger Familienzuwachs ist geplant. Argumente wie Die Leute amüsieren sich auf Kosten der Tiere! oder Das Tier wird entwürdigt!, Tiere werden zu Tricks gezwungen, die sie freiwillig nie machen würden!, habe ich immer nur von Menschen gehört, die die Dressurarbeit überhaupt nicht kennen, kein fachliches Wissen und oft keine direkte Beziehung zum Tier haben. Unethisch ist nicht die Dressur an sich, sie ist schließlich nichts weiter als geführtes Lernen. Unethisch ist die Arbeit mit Zwangsmethoden und zwar unabhängig davon, ob sie im Bereich des Showbusiness, zum Zweck der Erforschung tierischen Verhaltens oder zur Ausbildung von Tieren, die im Dienst von Menschen stehen (Sportpferde, Gebrauchshunde usw.), angewandt wird. Gerade in einer Zeit, in der immer mehr Zoos die Bedeutung des Beschäftigungstrainings entdecken, Ethologen die Lernfähigkeit und das Lernbedürfnis von Tieren erforschen, in der immer mehr Heimtiere durch Tricktraining von der Langeweile und einer gewissen Eintönigkeit ihres Alltags befreit werden, in der sich Fun-Sportarten wie Dogdancing enormer Beliebtheit erfreuen, man also fast von einem Dressur-Boom sprechen könnte, sollen ausgerechnet die Menschen von der Bildfläche verschwinden, die sich schon seit langer Zeit mit dem Lernen und dem Training von Tieren befassen, wie dies jetzt auch zunehmend Amateure tun? Gegen Haustier-Circus ist ja auch nichts einzuwenden!, höre ich an dieser Stelle oft. Wildtiere sind etwas anderes. Die Kritiker des Wildtiercircus, die aber meinen im Entstehen begriffenen Haustier-Kindercircus tolerieren, irren: Ein Unterschied im Bedürfnis nach Beschäftigung zwischen Haustieren und den von Wildtieren abstammenden Nachzüchtungen, die im professionellen Circus gehalten werden, besteht nicht. Dies zeigt sich beispielsweise im Verhalten meines Minipigs Piccolino, einem in Deutschland gezüchteten Schweinchen mit wilden Vorfahren (asiatische und afrikanische Kleinwildschweine). Piccolino ist mindestens ebenso anhänglich wie meine Hunde und ein begeistertes Circusschweinchen. Das Bedürfnis zu lernen ist allen Tieren gemeinsam und die Beziehung, die ein Tier zum Menschen hat, ist vor allem eine Frage der Prägung während der sensiblen Phase und nicht nur die einer jahrtausendelangen Domestikation. Auch eine Hauskatze, die nicht auf Menschen geprägt ist, wird mit Angst und Abwehr auf diesen reagieren. Mit Ausnahme einiger Afrikanischer Elefanten, die eingeführt werden durften, als in Afrika das große Elefantengemetzel begann, gibt es keine Tiere in Circussen, die aus der Wildnis stammen. Aber selbst für echte Wildtiere trifft die Behauptung, sie seien nur in der freien Natur glücklich nicht zu. Auch freilebende Tiere suchen in erster Linie Plätze auf, die ihnen möglichst viel Nahrung und eventuell Unterschlupf bieten, wie die vielbeklagte Invasion von Wildschweinen oder Waschbären in den Städten zeigt. Dafür begeben sie sich in die Nähe des Menschen und entwickeln über Lernprozesse eine enorme Anpassungsfähigkeit, das heißt, sie dressieren sich selbst. Ja aber, bekomme ich oft zu hören, Sie werden mir doch nicht erzählen wollen, dass Dressur ohne Zwang und Strafen funktioniert! Sie funktioniert. Warum das so ist, ist in der Loseblattsammlung der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz, die als Anhaltspunkt für Amtstierärzte bei der Überprüfung von Circusunternehmen dient, sehr klar erklärt: Das Tier verknüpft die Hilfengebung,
seine eigenen Reaktionen Insofern sind Strafen überflüssig. Es reicht vollkommen aus, mit zwei Formen der Rückmeldung zu arbeiten: richtig = Belohnung und falsch = keine Belohnung. Weder das Wildtier-Argument noch die Idee, Tiere müssten zu Tricks gezwungen werden, haben also Hand und Fuß. Jeder, der gute Trainingsarbeit mit Tieren kennt, weiß, mit welcher Begeisterung sie bei der Sache sind. Heute wissen wir, dass im Gehirn von Tieren, mit denen über positive Verstärkung gearbeitet wird, im Training Dopamin ausgeschüttet wird. Kein Wunder, dass sie so gerne arbeiten Dopamin gehört zu den Glücksbotenstoffen. Es mag alberne oder geschmacklose Tricks geben. Grundsätzlich aber spielt es für das Tier keine Rolle, was es lernt, solange dies in einfühlsamer Weise und über Belohnungen geschieht, es weder physisch noch psychisch überfordert wird. Das Erarbeiten von Tricks kommt dem Lernbedürfnis von Tieren genauso entgegen, wie jede andere Anregung, die wir ihnen bieten können, auch. Letztlich scheint es mir in der Frage der Haltung zur Tierdressur um die Entscheidung zu gehen: Teile ich die radikale Einstellung der sogenannten Tierrechtler, die alle Tiere in absoluter Freiheit sehen möchten, die neben Nutztieren auch Heimtiere ablehnen, damit aber auch die Beziehung zum Tier aufgeben und letztlich dem Menschen als Natur-Schädling seine Daseinsberechtigung absprechen? Oder möchte ich Tiere schützen, sehe dabei das Leben in der Natur aber realistischer und weiß, dass einiges getan werden muss, um viele Tierarten vor dem Aussterben zu bewahren, wie z. B. die Nachzucht in zoologischen Gärten? Möchte ich darüber hinaus auch eine echte, intensive Beziehung zu Tieren leben, vielleicht Heimtiere halten? In diesem Fall finde ich es wichtig, neben all den anderen Bedürfnissen der Tiere, die in unserer Obhut leben, auch das Bedürfnis nach Anregung und Herausforderung zu berücksichtigen, also die andere Seite der Dressur zu würdigen und zu nutzen. Tiere lernen auf unterschiedliche Weise. Bei vielen Säugetierarten tritt Beobachtungslernen auf (sehr ausgeprägt z. B. bei Katzen). Es gibt Lernen durch Bewegungswahrnehmung, im Circus als Putting-Through-Methode bekannt. Bei höheren Arten treten sogar Ansätze von kognitvien Lernvorgängen auf. Die häufigste Form des Lernens ist das operante Lernen, das Lernen durch Versuch und Irrtum. Diese Form des Lernens folgt klaren, durchschaubaren Prinzipien, weswegen es sinnvoll ist, die Arbeit von Laien mit ihren Tieren auf diese Lernvariante zu beschränken. Delphin-Trainer arbeiten mit einer Pfeife. Warum sie das tun, liegt auf der Hand: Dressur funktioniert über Belohnung. Damit das Tier die Belohnung aber als Konsequenz eines bestimmten Verhaltens begreifen kann, muss die Belohnung zeitgleich oder Sekundenbruchteile danach erfolgen. Schon drei Sekunden später wäre zu spät. Der Trainer muss also dem Delphin auf irgendeine Weise zurückmelden können, dass genau dieser Sprung toll war und dass es dafür einen Fisch gibt, auch wenn sich das Tier gerade in der Mitte des Beckens aufhält: Er pfeift. Der Delphin hat zuvor gelernt, was dieser Pfiff bedeutet, indem der Trainer immer wieder gepfiffen und dem Tier unmittelbar danach einen Fisch gegeben hat. Er hat damit einen sogenannten konditionierten Verstärker etabliert. Karen Pryor, eine amerikanische Delphin-Trainerin, hat dieses Prinzip auch für die Arbeit mit anderen Tieren ausgeweitet und als Clickertraining populär gemacht. Clickertraining findet mittlerweile nicht nur in der Show, sondern in allen möglichen Bereichen des Tiertrainings, vom Beschäftigungsprogramm für Wohnungskatzen über Zootiertraining bis hin zur Ausbildung von Gebrauchshunden, Anwendung. Statt einer Pfeife, die speziell Hunde verwirren könnte, da ja für viele Hunde ein Pfiff komm her bedeutet, verwenden wir einen Knackfrosch, den Clicker, der ein kurzes, prägnantes und unverwechselbares Geräusch erzeugt. Unglaubliche Dressurleistungen, die wir heutzutage in der Manege bewundern können, z. B. einen Tiger, der mit den Ohren wackelt, einen Löwen, der sich auf das Signal Peng hin umfallen lässt und regungslos liegen bleibt, die Seelöwin, die ein breites Grinsen zeigt, wenn die Tierlehrerin Smile sagt, beruhen auf diesem Prinzip der punktgenauen Rückmeldung, das nichts anderes ist, als angewandte Lerntheorie. 5. Einige Prinzipien des Trainings
Die Tiere werden im Training nicht angefasst. Sanfter und druckfreier geht es nicht: Wenn ich beispielsweise möchte, dass ein Tier sich legt, clicke ich, wenn es das von sich aus tut schließlich legt sich jedes Tier irgendwann hin. Da das Verhalten einmal oder mehrmals belohnt wurde, wird das Tier es wieder anbieten. Möchte ich nun, dass das Tier länger liegen bleibt, zögere ich den Click etwas hinaus, von Mal zu Mal länger. Indem wir keinerlei Zwang anwenden, auch keinen sanften, sondern immer nur aufgreifen, was das Tier uns anbietet, können wir den vierbeinigen Schüler weder überfordern, noch unnatürliches Verhalten hervorrufen.
Besonders interessant war es für mich, mit dem Schweinchen das Apportieren zu üben. Vergiss es!, hörte ich von allen Seiten. Schweine tragen nichts. Sie tragen keine Nahrung nach Hause wie Hunde, Katzen oder andere Tiere, Schweinemütter tragen ihre Jungen nicht. Das hat keinen Sinn! Eines Tages beobachtete ich, wie Piccolino, der zu diesem Zeitpunkt etwa drei Monate alt war, auf glattem Boden mit einer Möhre kämpfte, die ihm immer wieder wegrutschte, wenn er hineinbeißen wollte. Daraufhin packte er sie und trug sie auf den Teppich und als er dort noch immer keinen Erfolg hatte, zu mir. Er trug also doch! Am nächsten Tag begannen wir mit Apportierübungen. Inzwischen haben wir diese zu unzähligen netten Tricks ausgebaut.
Ein Tier mit einem Leckerbissen zu locken, ist nichts Verwerfliches. Möchte ich z. B. einen Hund dazu bringen, durch meine Beine Slalom zu laufen oder über eine Leiste zu balancieren, kann ich das erreichen, indem ich ihn mit einem Leckerchen dorthin locke, wo ich ihn haben möchte. Der Nachteil dieser Methode ist, dass manche Tiere so auf den Leckerbissen fixiert sind, dass sie unaufmerksam werden. Oft ist es dann schwierig, das Lock-Leckerchen wegzulassen. Sobald ich nichts mehr in der Hand habe, macht das Tier keine Anstalten mehr, den Trick auszuführen. In der Regel arbeiten wir daher lieber mit einem Target. Target bedeutet Ziel. Ich bringe dem Tier zunächst bei, einen Gegenstand (Fliegenklatsche, Kochlöffel) mit der Nase zu berühren. Bald wird es dem Target folgen und ich kann das Tier so ohne Leine, Zügel (oder Leckerchen vor der Nase) führen. Mit einem über den Kopf gehaltenen Target lassen sich mit dafür begabten Tieren das Hochsitzen und das Tanzen auf den Hinterfüßen recht gefahrlos trainieren. Das Tier wird am Target anfangs die Position nur kurz halten und die Zeit mit zunehmender Stärkung der Rückenmuskulatur von selbst steigern. Die Gefahr der Überforderung, die bestehen würde, wenn mit Halsband und Leine oder auch mit einem verlockend duftenden Leckerchen nachgeholfen wird, besteht also nicht.
Eine interessante Variante ist das Pfoten- oder Fußtarget. Hier verwenden wir meist Plastikdeckel oder ähnliches, die mit der Pfote oder dem Fuß berührt werden sollen. Auch hier gelangen wieder Tricks mit Minipig Piccolino, die ich zunächst nicht für möglich gehalten hätte. Ein Schwein hat kein Bewusstsein für seine Füße. Es pfötelt nicht wie Hund oder Katze. Dennoch hat Piccolino Pfötchen geben, Lift (Fuß hoch) und Ansätze des Spanischen Tritts gelernt. Mit einem Pfotentarget und etwas Geduld wurde die Arbeit mit den Beinen auch für das Schweinchen machbar: Zunächst habe ich einen Plastikdeckel auf den Boden gelegt. Sobald Piccolino zufällig darauf trat, gab es Click und Belohnung. Da auf dem Kunststoff ein leichtes Klack hörbar wurde, wenn er den Deckel betrat, verstand er bald, was er tun sollte. Das Target wurde dann etwas angehoben, so dass er den Fuß höher heben musste. Schließlich wurde der Deckel von Tag zu Tag kleiner geschnitten, bis wir ihn ganz weglassen konnten.
Shaping ist operantes Lernen in Reinkultur, Lernen durch Versuch und Irrtum oder besser: Lernen durch Versuch und Erfolg. Ich kann einem Tier z. B. den Valser, die Drehung um die eigene Achse beibringen, indem ich es mit einem Target führe und dieses allmählich abbaue, oder indem ich das Verhalten frei forme: Schon ein leichtes Wenden des Kopfes wird bestärkt. Bleibt nach zwei, drei Wiederholungen der Click aus, wird das Tier seine Bemühungen intensivieren. Es wird etwas anderes tun (das wäre ein Fehlversuch, den ich ignoriere) oder den Kopf stärker drehen, was ich sofort verstärke. Schließlich wird der Körper gebogen, der erste Schritt in die richtige Richtung erfolgt ... jeder noch so kleine Schritt zum gewünschten Verhalten wird unmittelbar belohnt. Diese Vorgehensweise erfordert viel Konzentration des Trainers, ist aber weder zeitaufwändig noch kompliziert, sobald das Tier die Spielregel begriffen hat. Der größte Vorteil des freien Formens ist, dass die Tiere regelrecht kreativ werden. Ein Tier, das so gearbeitet wird, wird von selbst immer neue Verhaltensweisen anbieten. Der Trainer braucht sie nur noch zu kaufen. Manchmal sagen Leute, dass sie meine Trick-Ideen toll finden. Das freut mich natürlich sehr. Aber mindestens fünfzig Prozent dieses Kompliments stehen nicht mir zu, sondern meinen Tieren: Sehr viele Tricks die wir zeigen, haben sie selbst erfunden.
Kommandos oder Signale, wie wir lieber sagen, werden beim Clickertraining erst dann eingeführt, wenn der Trick bereits erarbeitet ist. Der Grund dafür ist vor allem der, dass auf diese Weise Shaping-Prozesse nicht gestört werden. Da das Tier ein Signal für ein Verhalten, das es noch nicht kennt, ohnehin nicht einordnen kann, können wir uns also Zeit lassen. Ein Signal kann ein Wort sein, wie z. B. down, aber auch ein Handzeichen oder eine bestimmte Körperhaltung. Hat das Tier das Signal verstanden, wird die Ausführung des jeweiligen Tricks nur noch dann belohnt, wenn er auf Signal gezeigt wird. Besonders lustig, speziell für Circusnummern, sind falsche Signale, mit denen man scheinbaren Ungehorsam hervorruft. So hat Minipig Piccolino beispielsweise gelernt, dass das Hinhalten eines Reifens und das Kommando Spring! bedeutet, dass er sich möglichst umständlich und träge hinlegen soll. Eine Ausnahme von der Regel der späten Signaleinführung stellen Tricks dar, bei denen das Requisit selbst zum Signal wird.
6. Clickertraining und Dressur im professionellen CircusClickertraining ist nicht die Dressur. Ein guter, professioneller Tierlehrer muss über ein umfangreiches Wissen und Können verfügen. Er muss arttypische Reaktionen und den individuellen Charakter seiner Schüler auf das Genaueste kennen, so dass jedes Tier seine Anlagen voll entfalten kann. Er muss eine Persönlichkeit sein, die freundliche Autorität ausstrahlt, er benötigt eine ungeheure Selbstbeherrschung und Konzentrationsfähigkeit, Einfühlungsvermögen, Körperbeherrschung und vieles mehr. Aber jeder gute Tierlehrer clickert auch. Im Circus heißt der Click oft braaaaaav! Jeder, der die Arbeit mit Tieren aus eigener Erfahrung kennt und sei es nur durch das Erarbeiten einiger Tricks mit dem eigenen Haustier wird Circusdressuren mit anderen Augen sehen. Er/sie wird sehr genau zwischen guten und schlechten Dressuren unterscheiden können und vor allem wissen, was Tierlehrer wirklich leisten, die harmonische und exakte Nummern in der Manege zeigen. Und ein solcher Mensch wird wissen, dass die Show nur die eine Seite der Medaille ist. Die andere Seite ist die Bereicherung, die die Arbeit dem Tier bietet und nicht nur diesem. Auch an mir selbst ist die Dressurarbeit mit den Vierbeinern nicht spurlos vorübergegangen: Ich habe unglaublich viel über sie und durch sie gelernt. Meine Beziehung zu ihnen hat sich noch weiter vertieft. Und immer größer wird meine Freude über ihr tiefes Vertrauen zu mir und meine Achtung vor ihrer Intelligenz und ihrer Kreativität.
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