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Clown für den König der Löwen gefunden am 16.10.04 in der Landeszeitung für die Lüneburger Heide
Der Mann ist Engländer, 28 Jahre jung, Familienvater und hat einen gefährlichen Job: Alexander Lacey ist Löwen-Dompteur beim Circus Barum, der in dieser Woche in Lüneburg Station macht. Jeden Tag steht er acht Raubtieren Auge in Auge gegenüber, in der Manege und beim Training. Ein Mann ohne Furcht also ? Alexander Lacey drückt es anders aus: "Man muss versuchen, nie ängstlich zu sein." Die Liebe zu den Tieren, um die andere Menschen aus Respekt lieber einen großen Bogen machen, wurde dem Engländer quasi in die Wiege gelegt. Schon seine Eltern arbeiteten im familieneigenen Circus mit Löwen und Tigern. Wenn es mal Nachwuchs gab, tummelten sich die kleinen Raubkatzen im Wohnwagen des kleinen Alexander. So lernte er von Kindheit an die Eigenarten und das Verhalten der Tiere kennen. Mit elf Jahren stand er das erste Mal gemeinsam mit Löwen und Tigern im Raubtierkäfig. Damals nahm ihn sein Vater mit. Mit 16 Jahren bastelte er an seiner ersten eigenen Dressurdarbietung. Heute ist er ein ausgezeichneter Dompteur. Beim "Internationalen Circusfestival von Monte Carlo" wurde er 2003 mit dem "Silbernen Clown" ausgezeichnet. Die Trophäe gilt als Circus-Oscar. "Für die Tiere bin ich zugleich Vater, Mutter, Bruder, Lehrer und Freund - ein bisschen von allem. Aber ich stehe in jedem Fall ganz oben in der Rangordnung", beschreibt er seine Rolle. Fast rund um die Uhr ist er mit seinen Raubtieren zusammen, trainiert sie mehrere Stunden täglich, kennt sie daher aus dem Effeff. "Ich sehe ihnen an, ob sie hungrig oder durstig, müde oder krank sind. Manchmal haben sie auch einfach keine Lust zu arbeiten, da sind sie genau wie Menschen. Dann müssen sie auch nicht in die Manege. Einen Löwen sollte man nie zu etwas zwingen, das kann sehr gefährlich werden." Lacey weiß, dass seine Tiere viel stärker sind als er. Gerade mal 80 Kilogramm bringt er auf die Waage, bei Massai, dem mächtigen Löwenmann, stoppt die Nadel erst bei 350 Kilogramm. Deshalb müsse er den Tieren immer einen Schritt voraus sein. "Löwen verhalten sich manchmal nicht normal, manche reagieren nervös auf 2000 Zuschauer und Kindergeschrei, andere kriegen sich in die Haare, wenn eine Löwendame im Spiel ist. Da muss ich aufpassen, denn zwei kämpfende Löwen zu stoppen, ist ziemlich schwierig", macht er deutlich. Bislang hat er immer aufgepasst, ist es in der Manege noch nicht zu unerwünschten Zwischenfällen gekommen. "Wenn man die Tiere so gut kennt wie ich und ständig mit ihnen zusammen ist, kann man das Risiko sehr, sehr gering halten. Man darf aber nie in schlechter Verfassung in die Manege gehen, muss den Ärger draußen lassen", sagt Lacey, der versichert, noch nie gebissen worden zu sein: "Die Tiere vertrauen mir, wir sind ein eingespieltes Team." Klar weiß er, dass auch mal was passieren kann. So wie beim Dompteur und Magier Roy und einem seiner weißen Tiger vor einem jahr in Las Vegas. "Ich glaube, das war ein Unfall. Roy ist ein alter Mann, der Tiger sehr schwer. Roy konnte ihn wohl nicht halten, ist deshalb hingefallen, da hat das Tier zugepackt. Wenn der Tiger ihn bewusst hätte attackieren wollen, hätte Roy das nicht überlebt." Seine Frau, die im Circus mit Luftakrobatik am Schwungseil begeistert, teile die Liebe zu den Tigern. "Sie hilft mir bei der Arbeit so gut es geht. Aber sie weiß auch, wie gefährlich die Tiere sind." Viel zu gefährlich auch noch für Tochter Katrina. "Sie ist erst zehn Monate alt und guckt allenfalls mal nach den Tieren", erzählt Lacey. Doch er verhehlt nicht seine heimliche Hoffnung: Vielleicht setzt seine Tochter ja eines Tages die Familientradition fort und ist in der Manege zu sehen - mit Löwen und Tigern. |
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