|
||||
| Startseite | Zwei
Jahre Training bis der Tiger reitet von Moyo Grebbin, gefunden am 3.9.04 in der Tauber-Zeitung PORTRÄT / Die Raubtier-Show von Karoly Donnert ist einer der Höhepunkte im Circus Barelli
Seine Dressur mit acht Tigern gehört zu den Höhepunkten im Programm des Circus Barelli, der von Freitag bis Montag auf dem Bad Mergentheimer Volksfestplatz gastiert: Der ungarische Raubtierdompteur Karoly Donnert stammt aus einer alten Zirkusfamilie und verbringt seit 29 Jahren jeden Tag mit den gefährlichen Tieren, züchtet sie selbst. "Bereits eine Woche nach der Geburt hole ich die Tiger-Babys immer wieder in meinen Wohnwagen und gewöhne sie langsam an mich", erklärt er. Die eigentliche Dressur beginne, wenn die Tiere etwa acht Monate alt sind. Zwar würden die Tiere von Natur aus springen oder sich drohend auf die Hinterbeine stellen - aber es dauere oft Monate oder sogar Jahre, bis sie lernten, die natürlichen Verhaltensweisen auf das Kommando des Tierlehrers zu zeigen. Dabei arbeitet Donnert nur mit Belohnungen für das richtige Verhalten: "Ich kann ein 200 Kilo schweres Raubtier nicht bestrafen, es würde sofort zurückschlagen", gibt der Dompteur zu bedenken. Dennoch werde er von den Tigern respektiert: "Sie wissen genau: nein heißt nein". Seinen Aussagen zufolge haben die Tiere Spaß am Lernen, manchmal wollten sie sogar mehr arbeiten, als ihm recht sei. An anderen Tagen wiederum hätten die Raubkatzen keine Lust auf die Manege. Je nach Wetter, Jahreszeit oder Wohlbefinden seien sie faul, eifrig oder gereizt. Da Donnert jedem Tier auch die Tricks der anderen beibringt, stellen diese Stimmungsschwankungen für seine Auftritte aber kein Problem dar: "Hat ein Tiger schlechte Laune, kann ein anderer seine Aufgabe übernehmen". Das spektakulärste Kunststück der Show, den Ritt eines Tigers auf einem Pferd, hätten zwar schon Dresseure vor hundert Jahren gezeigt, doch heute ist Donnert seines Wissens der einzige Dompteur weltweit, der diesen Trick im Programm hat. Kein Wunder, denn es erfordere zwei Jahre tägliches Training, um die Tiere aneinander zu gewöhnen. Donnert führt den "Tiger hoch zu Ross" nun schon seit zwei Jahrzehnten vor - mittlerweile mit der zweiten Generation Pferd und Tiger. "Beide Tiere wissen genau, was sie zu tun haben; aber wenn es mal ein Problem gibt, dann liegt das meistens daran, dass das Pferd nicht gleich beim ersten Befehl reagiert", erzählt er und fährt stolz fort, beim amerikanischen Zirkus Ringling, dem größten der Welt, habe er den Ritt sogar mit zwei Pferden und zwei Tigern gleichzeitig gezeigt. Es gibt kaum einen Ort auf der Erde, an dem Donnert noch nicht gewesen ist: Mit verschieden Zirkussen reiste er quer durch Nord- und Südamerika, Europa und Russland. "England fehlt noch", sagt er. Bei Barelli ist er seit diesem Jahr engagiert. Donnert legt Wert darauf, dass seine Tiere sich wohlfühlen: "Ich erfülle alle Tierschutzbestimmungen und lasse regelmäßig Tierärzte nach ihnen sehen." Er ist sicher, seinen Tieren die beste Ernährung und Pflege zu bieten: "Ich glaube, ich bin mehr Tierschützer als alle Kritiker", zeigt er sich überzeugt. |
|||