Klaus
Zeeb im Interview
"Eine
positive Mensch-Tier-Beziehung ist das A und O"
| Mit Klaus Zeeb stand einer der prominentesten Fürsprecher des Wildtiercircus tiere.chapiteau.de Rede und Antwort. Zeeb, geboren 1930 in Stuttgart, beendete sein Studium als Doktor der Veterinärmedzin 1958 in München. Schon während des Studiums befasste er sich mit Tierverhaltensforschung. In den 60er-Jahren baute er am Tierhygienischen Institut in Freiburg eine Abteilung für Angewandte Verhaltenforschung auf, die damals noch in den Kinderschuhen steckte. 1956, anlässlich der Arbeit an seiner Doktorarbeit Das Verhalten des Pferdes bei der Auseinandersetzung mit dem Menschen, kam Zeeb mit dem Circus in Kontakt und seitdem läßt ihn das Thema unter dem Gesichtspunkt Verhaltensgerechter Umgang mit Tieren nicht mehr los. | ![]() |
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Ist
bedürfnisgerechte Tierhaltung im Zirkus möglich? Zeeb: Der Begriff bedürfnisgerecht ist in der Tierschutzrechtsprechung nicht üblich. Wir sprechen von tiergerecht und verhaltensgerecht. Ja, sie ist grundsätzlich möglich, wie wir in den BMVEL Circus-Tierschutz-Leitlinien (CTL), die unter meinem Vorsitz erarbeitet wurden, dargelegt haben. Bei einigen Tierarten, die dort aufgeführt sind, halten wir sie für nicht möglich. Besonders die Haltung von Affen, Großkatzen, Bären und Elefanten steht in ja in der öffentlichen Kritik. Berechtigt? Zeeb: Berechtigt für Menschenaffen, Eisbären und Elefanten in Einzelhaltung. Allerdings müssen die Bedingungen der CTL für die Elefantenhaltung erfüllt sein. |
| Was
muss gegeben sein, damit sich ein Tier im Zirkus wohl
fühlt? Zeeb: Die arttypischen Anforderungen an Unterbringung, Ernährung, Pflege und tiergerechten Umgang müssen erfüllt sein. Die Partnerschaft zwischen Tier und Mensch muß erkennbar sein. Wie wichtig ist für das Wohlbefinden der Tiere eine positive Mensch-Tier-Beziehung? Zeeb: Tiergerechte Beschäftigung der Tiere ist meiner Auffassung nach der wichtigste Haltungsfaktor , daher ist die positive Mensch-Tierbeziehung das A & O. |
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Ist
Dressur immer mit Zwang oder gar Gewalt verbunden? Zeeb: Wir sollten das Wort Dressur vermeiden. Es weckt immer die Vorstellung von Zwang und Gewalt. Ich spreche lieber von Ausbildung. Ausbildung holt das aus dem Tier heraus, was in ihm von Natur angelegt ist. Ausbildung muß einfühlsam sein, muß unter Vertrauensbildung stehen, setzt große Fachkenntnis voraus. Das Tier darf nicht überfordert werden. Die Hilfen haben verständlich und konsequent zu sein. Neben dem Vertrauen muß gegenseitiger Respekt wachsen. |
| Sind
die im Zirkus gezeigten Kunststücke nicht unnatürlich? Zeeb: Der moderne Tierlehrer zeigt keine Kunststücke sondern er zeigt Verhaltensabläufe, die dem angeborenen Verhalten des Tieres entsprechen. Der Steiger beim Pferd oder Tiger entspricht dem Rangkampf dieser Tiere. Der Elefant auf den Hinterbeine entspricht der Paarung oder dem Ästeabreisen aus hohen Bäumen usw. Der moderne Tierlehrer vermeidet übrigens alles, was wie Vermenschlichung des Tieres aussieht. Mehr zur Thematik findet man in Zeebs Veröffentlichung "Wie man Tiere im Circus ausbildet". Jetzt kaufen |
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Gibt
es ein über den Unterhaltungswert hinausgehenden Grund,
etwa lehrreicher Art, Tiere im Zirkus zu präsentieren? Zeeb: Aber sicher: Tiergerechte Tierhaltung und der verhaltensgerechte Umgang mit den Tieren hat einen hohen pädagogischen Bildungswert. Das gilt vor allem für kommentierte öffentliche Tierproben. Ich habe dabei immer wieder festgestellt, wie begierig Schulklassen an diesen Veranstaltungen teilnehmen und was da alles gefragt wird und was da hängen bleibt. |
| Wie
kann sich der Zirkus gegen die Angriffe der Tierrechtler
zur Wehr setzen und den Zirkus mit Tieren in eine
erfolgreiche Zukunft führen? Zeeb: Indem er offensiv die tiergerechte Haltung und den verhaltensgerechten Umgang mit den Tieren in die Öffentlichkeit bringt. Die gläserne Circustierhaltung wird wirksam sein. Er soll nicht erst auf Angriffe warten. Er muß die richtigen Politker und Menschen der Öffentlichkeit in seine Arbeit einbinden. Auch ein stärkeres Vorgehen gegen "schwarze Schafe" wäre wichtig. Aber es müsste dafür eine Gremium mit Fingerspitzengefühl geschaffen werden. Die ECA hätte da eine wichtige Aufgabe. |
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